Veröffentlicht: 6. Mai 2026 · Zuletzt aktualisiert: 6. Mai 2026 · Autor: Dr. Nikola Petrovski, Sportmediziner
Designer-Steroide sind eine Sub-Klasse der anabol-androgenen Steroide (AAS), deren Geschichte eng mit Doping-Skandalen, der Supplement-Industrie und dem Wettlauf zwischen Wirkstoff-Designern und Anti-Doping-Laboren verbunden ist. Der vorliegende Beitrag ordnet die wichtigsten Substanzen, den BALCO-Skandal von 2003, die rechtliche Lage in Deutschland und die gesundheitlichen Risiken systematisch ein. Der Artikel gehört zur enzyklopädischen Referenz-Serie über AAS und ergänzt den Übersichtsbeitrag Anabolika im Überblick sowie die Pharmakologie der Steroide um die spezifische Designer-Substanz-Perspektive.
Designer-Steroide — Definition und Überblick
| Attribut | Eigenschaft |
|---|---|
| Definition | Synthetische anabol-androgene Steroide ohne arzneimittelrechtliche Zulassung, meist entwickelt zur Umgehung von Doping-Tests |
| Englisch | Designer steroids, designer AAS |
| Wichtigste Beispiele | Tetrahydrogestrinon (THG), Methasteron (Superdrol), Methylstenbolon, Desoxymethyltestosteron (Madol), 1-Testosteron, Norbolethon |
| Berühmtester Skandal | BALCO-Skandal (USA, 2003–2005) |
| Hauptproblem | Unklare pharmakologische Datenlage, häufig extreme Toxizität, kein klinisches Sicherheitsprofil |
| Rechtsstatus DE | § 6a AMG, AntiDopG, ggf. BtMG-Anlagen |
| Rechtsstatus USA | Anabolic Steroid Control Act 2004, DASCA 2014 |
| WADA-Status | Klasse S1.1 — verbotene Anabolika |
| Nachweismethode | LC-MS/MS, GC-MS; oft retrospektiv |
| Verwandte Themen | Pro-Hormone, Schwarzmarkt-AAS, 17α-Alkylierung, Anti-Doping |
Was sind Designer-Steroide?
Designer-Steroide sind synthetische anabole Steroide, die ohne arzneimittelrechtliche Zulassung entwickelt wurden, oft um Doping-Tests zu umgehen. Bekannte Beispiele sind Tetrahydrogestrinon (THG), Methasteron (Superdrol) und Methylstenbolon. Sie weisen häufig extreme Toxizität bei unklarer pharmakologischer Datenlage auf.
Der Begriff bezeichnet chemisch modifizierte Steroidanaloga, die in Untergrund-Laboratorien synthetisiert und außerhalb des regulierten Arzneimittelmarktes vertrieben werden. Strukturell beruhen Designer-Steroide auf bekannten Steroidkernen — Testosteron, Nandrolon, Drostanolon oder Trenbolon — die durch gezielte Veränderung einzelner funktioneller Gruppen modifiziert werden. Zwei Hauptmotive treiben ihre Synthese: die Umgehung von Doping-Tests im Wettkampfsport sowie die Vermarktung als rechtlich unregulierte Nahrungsergänzungsmittel, vor allem in den USA der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre.
Designer-Steroide sind klar abzugrenzen von zwei verwandten Kategorien. Klassische zugelassene anabole Steroide wie Testosteron-Enantat oder Nandrolon-Decanoat haben durchlaufene Arzneimittelzulassungsverfahren mit publizierter Pharmakokinetik. Schwarzmarkt-AAS sind illegal vertriebene, aber chemisch identische Standard-Substanzen aus regulären Synthesen. Pro-Hormone schließlich sind chemische Vorstufen, die im Körper erst in aktive Steroide umgewandelt werden — die Übergänge zwischen Pro-Hormonen und Designer-Steroiden sind in der Praxis fließend, wie die Übersichtsarbeit von Rahnema und Kollegen „Designer steroids — over-the-counter supplements and their androgenic component“ im Journal Andrology (2015) ausführlich dokumentiert.
Wie unterscheiden sich Designer-Steroide von zugelassenen AAS?
Designer-Steroide unterscheiden sich von zugelassenen anabolen Steroiden durch fehlende klinische Studien, fehlende arzneimittelrechtliche Zulassung, unklare Pharmakokinetik und unbekannte Langzeitsicherheit. Sie werden auf dem Schwarzmarkt oder im Supplement-Sektor vertrieben und unterliegen keiner Pharmakovigilanz.
| Kriterium | Zugelassene AAS | Designer-Steroide |
|---|---|---|
| Arzneimittelzulassung | FDA, EMA, BfArM | keine |
| Klinische Studien | obligatorisch vor Zulassung | nicht vorhanden |
| Pharmakokinetik | publiziert | meist unbekannt |
| Toxikologie | dokumentiert | retrospektiv aus Schadensfällen |
| Pharmakovigilanz | etabliert (BfArM, EMA) | nicht vorhanden |
| Vertriebsweg | Apotheke mit Rezept | Schwarzmarkt, Supplement-Markt |
| Reinheit | GMP-zertifiziert | uneinheitlich |
| Rechtsstatus DE | rezeptpflichtig (AMVV) | § 6a AMG strafbar |
| Beispiele | Testosteron-Enantat, Nandrolon-Decanoat | Tetrahydrogestrinon, Methasteron |
Die fehlende präklinische und klinische Datenlage ist der zentrale Unterschied. Designer-Steroide werden üblicherweise nicht systematisch auf orale Bioverfügbarkeit, Eliminationshalbwertszeit oder hepatische Belastung untersucht, bevor sie auf den Markt gelangen. Klinische Effekte und Nebenwirkungsprofile sind nur durch Anwender-Erfahrungsberichte aus Online-Foren und durch retrospektive Schadensanalysen dokumentiert — eine Datengrundlage, die mit den klassischen Anforderungen an Arzneimittelsicherheit nicht vergleichbar ist.
Geschichte der Designer-Steroide
Die Geschichte der Designer-Steroide reicht von der Norbolethon-Identifikation 2002 über den BALCO-Skandal 2003 mit Tetrahydrogestrinon bis zur Pro-Hormon-Welle der 2000er-Jahre. Don Catlin und das UCLA Olympic Analytical Laboratory spielten eine zentrale Rolle bei der Entdeckung und Detektion dieser Substanzen.
Frühe Designer-Steroide (1980er–1990er)
Die ersten dokumentierten Designer-Substanzen entstanden bereits in den 1960er-Jahren in regulären pharmazeutischen Forschungsprogrammen. Norbolethon wurde von Wyeth Laboratories synthetisiert, jedoch nie als Arzneimittel vermarktet — die Substanz blieb in der Fachliteratur dokumentiert und konnte später als Vorlage für Untergrund-Synthesen dienen. In den 1990er-Jahren begann die organisierte Schwarzmarkt-Synthese für Bodybuilder und Eliteathleten. Don Catlin, Direktor des UCLA Olympic Analytical Laboratory, identifizierte 2002 in einer Urinprobe eines Radsportlers die erste moderne Designer-Substanz der Anti-Doping-Ära — eben jenes Norbolethon, das 40 Jahre zuvor synthetisiert worden war. Die Studie von Catlin und Kollegen „Tetrahydrogestrinone: discovery, synthesis, and detection in urine“ im Journal Rapid Communications in Mass Spectrometry (2004) dokumentiert die Methodik.
Der BALCO-Skandal und THG
Der BALCO-Skandal markiert die zentrale historische Wegmarke der Designer-Steroide-Geschichte. Die Bay Area Laboratory Co-operative wurde 1984 von Victor Conte in Burlingame, Kalifornien, als Service-Unternehmen für Blut- und Urinanalysen gegründet. Ab 1988 begann Conte mit Olympia-Athleten zu arbeiten — den später so genannten „BALCO Olympians“. Der Chemiker Patrick Arnold synthetisierte für BALCO ein neuartiges anaboles Steroid durch Hydrierung von Gestrinon, einem ursprünglich als Endometriose-Medikament entwickelten Wirkstoff. Das Produkt erhielt den Codenamen „The Clear“ und galt als nicht nachweisbar.
Im Juni 2003 schickte Trevor Graham, Sprint-Coach von Marion Jones und Tim Montgomery, anonym eine THG-Spritze an die United States Anti-Doping Agency (USADA). Don Catlin entwickelte innerhalb weniger Wochen eine GC-MS-basierte Detektionsmethode und testete 550 retrospektive Athletenproben aus dem WADA-Archiv — 20 davon waren THG-positiv. Im September 2003 erfolgte die Bundesdurchsuchung der BALCO-Räume durch IRS, FDA und USADA. Betroffene Athleten — darunter Marion Jones, Barry Bonds, Tim Montgomery, Kelli White, Dwain Chambers und Regina Jacobs — wurden in den folgenden Jahren gesperrt oder strafrechtlich verfolgt. Victor Conte erhielt 2005 eine Haftstrafe von vier Monaten. Die journalistische Aufarbeitung durch Lance Williams und Mark Fainaru-Wada erschien 2006 als Buch Game of Shadows und prägt bis heute die öffentliche Wahrnehmung der Affäre. Eine vertiefte Darstellung der historischen Entwicklung findet sich im Beitrag Die Geschichte der Anabolika.
Pro-Hormone und Supplement-Industrie
Parallel zum BALCO-Skandal entwickelte sich in den USA eine eigenständige Designer-Substanz-Welle im Supplement-Sektor. Der Dietary Supplement Health and Education Act (DSHEA) von 1994 stellte Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln von der Vorab-Sicherheitsprüfung frei und schuf damit eine regulatorische Lücke. In der Folge erlebten Pro-Hormone wie Androstendion und 1-Androstendion einen Boom — vor allem nach 1998, als die Substanz „Andro“ durch ihre dokumentierte Verwendung beim Baseballspieler Mark McGwire öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Der Anabolic Steroid Control Act of 2004 stellte die meisten Pro-Hormone unter Bundeskontrolle und beendete die offizielle Vermarktung. Der Designer Anabolic Steroid Control Act (DASCA) von 2014 erweiterte die Kontrolle auf chemisch modifizierte Analoga — schließt aber bis heute nicht alle neuartigen Designer-Substanzen ein, die kontinuierlich auf dem Schwarzmarkt erscheinen.
Wichtige Designer-Steroide im Überblick
Sechs Designer-Steroide haben besondere historische und klinische Bedeutung: Tetrahydrogestrinon (THG), Methasteron (Superdrol), Methylstenbolon, 1-Testosteron, Desoxymethyltestosteron (Madol) und Trenbolon-Enantat. Jede Substanz illustriert ein eigenes Designer-Konzept und ein eigenes Risikoprofil. Die folgende Übersicht stützt sich auf die Arbeit von Joseph und Parr „Synthetic androgens as designer supplements“ im Journal Current Neuropharmacology (2015) sowie auf die Rahnema-Übersicht von 2015.
Tetrahydrogestrinon (THG, „The Clear“)
THG basiert strukturell auf einem hydrierten Gestrinon, einem ursprünglich als Endometriose-Wirkstoff entwickelten Steroid. Patrick Arnold synthetisierte die Substanz für BALCO durch Bubbling von Wasserstoffgas durch eine Gestrinon-Lösung. Pharmakologisch zeigt THG eine starke Androgenrezeptor-Bindung bei niedriger Aromatisierung und damit minimaler Östrogen-Konversion. Die vermeintliche Nicht-Nachweisbarkeit blieb bis 2003 bestehen, als Catlin die GC-MS-Methode etablierte. Klinische Sicherheits- oder Langzeitdaten zur Substanz sind nicht systematisch erhoben.
Methasteron (Superdrol, methyldrostanolone)
Methasteron ist die 17α-methylierte Form von Drostanolon (Masteron) und damit oral wirksam. Zwischen 2005 und 2012 wurde die Substanz in den USA als „Nahrungsergänzungsmittel“ unter Markennamen wie Anabolic Xtreme Superdrol vertrieben. Die DILIN-Auswertung von Stolz und Kollegen „Severe and protracted cholestasis in 44 young men taking bodybuilding supplements“ im Journal Alimentary Pharmacology & Therapeutics (2019) identifizierte Methasteron als häufigste Ursache schwerer cholestatischer Hepatitis bei jungen Bodybuildern. Substanzspezifische Details finden sich auf der Profilseite zu Superdrol — bekanntestes Designer-Steroid.
Methylstenbolon
Methylstenbolon ist ein 2,17α-dimethyl-androstenol, das ab etwa 2010 als Pro-Hormon-Nachfolger unter Markennamen wie Helladrol und Stanodrol vertrieben wurde. Die Substanz weist eine hohe androgene Potenz und ausgeprägte Hepatotoxizität auf — als 17α-alkylierte Verbindung folgt sie der typischen oralen Schadensmuster. Der Designer Anabolic Steroid Control Act von 2014 stellte Methylstenbolon in den USA unter Schedule-III-Kontrolle. Auf dem europäischen Schwarzmarkt blieb die Substanz weiterhin verfügbar.
1-Testosteron (Dihydroboldenon)
1-Testosteron entspricht chemisch 17β-Hydroxy-1-en-androstan-3-on. Die Substanz wurde bereits in den 1950er-Jahren beschrieben und 1996 erstmals systematisch pharmakologisch charakterisiert. Im Designer-Kontext erscheint sie sowohl als Pro-Hormon-Variante (1-DHEA, im Körper zu 1-Testosteron umgewandelt) als auch als direkter Wirkstoff. Sie ist stark androgen, oral wirksam ohne 17α-Alkylierung und nicht aromatisierend — also kein Östrogen-Anstieg unter Anwendung. Die Substanz illustriert, wie pharmakologisch nuancierte Designer-Konstruktionen Wirkprofile schaffen können, die mit klassischen AAS nicht erreichbar sind.
Desoxymethyltestosteron (Madol)
Desoxymethyltestosteron — chemisch 17α-methyl-5α-androst-2-en-17β-ol — wurde von Patrick Arnold als zweites Designer-Produkt nach THG entwickelt. Don Catlin identifizierte die Substanz 2005 in einem konfiszierten Steroidpaket und entwickelte eine Detektionsmethode. Madol ist eines der wenigen explizit für Doping-Umgehung konstruierten Designer-Steroide, deren Entwicklungsgeschichte vollständig aufgearbeitet werden konnte. Die DEA stufte Madol 2009 als Schedule-III-Substanz ein.
Trenbolon-Enantat
Trenbolon-Enantat nimmt eine besondere Position in der Designer-Steroide-Geschichte ein. Während Trenbolon-Acetat historisch als Veterinärpräparat Finaplix zugelassen war, wurde Trenbolon-Enantat niemals als Humanarzneimittel zugelassen — die Substanz entstand ursprünglich in Untergrund-Laboratorien als Designer-Ester. Heute ist Trenbolon-Enantat (ursprünglich Designer-Substanz) auf Schwarzmärkten weltweit verbreitet und gilt als eine der potentesten Designer-Substanzen — ein Beispiel dafür, wie Designer-Konstruktionen sich vom Doping-Nischenprodukt zum Mainstream-Bodybuilding-Stack-Bestandteil entwickeln können.
Welche Risiken haben Designer-Steroide?
Designer-Steroide bergen ein deutlich erhöhtes Risiko gegenüber zugelassenen Anabolika: extreme Hepatotoxizität, unklare Pharmakokinetik, kontaminierte Produkte aus Untergrund-Laboratorien und fehlende klinische Daten zur Langzeitsicherheit. Schwere Cholestase und akute Leberinsuffizienz sind dokumentiert.
Fünf Hauptrisiken charakterisieren die Substanzklasse. Erstens sind die meisten Designer-Steroide 17α-alkyliert und damit ausgeprägt hepatotoxisch — der zugrunde liegende Mechanismus wird im Beitrag 17α-Alkylierung & Lebertoxizität ausführlich erklärt. Die DILIN-Auswertung von Stolz et al. 2019 dokumentiert bei 44 jungen Männern schwere und protrahierte Cholestase, teils mit Lebertransplantations-Evaluation, wobei Methasteron der häufigste Verursacher war. Zweitens ist die Pharmakokinetik dieser Substanzen üblicherweise nicht systematisch untersucht — Halbwertszeit, Bioverfügbarkeit und Metabolisierungspfade bleiben unklar, sodass Anwender ohne klinische Sicherheits-Korridore dosieren.
Drittens weisen Untergrund-Laboratorien hergestellte Substanzen häufig Verunreinigungen auf — andere Wirkstoffe, Schwermetalle oder Lösungsmittelreste —, eine gleichbleibende Reinheit ist nicht garantiert. Die Profilseite Echte Anabolika von Fälschungen unterscheiden behandelt diesen Aspekt im Detail. Viertens fehlen Langzeitsicherheitsdaten — zugelassene anabole Steroide haben Jahrzehnte klinischer Beobachtung hinter sich, während Designer-Substanzen erst nach Schadensfällen retrospektiv aufgearbeitet werden. Fünftens ist die Fehldeklaration im Supplement-Sektor weit verbreitet: Produkte, die als „Pro-Hormon“ oder „Test-Booster“ vermarktet werden, können in Wahrheit potente 17α-alkylierte Designer-Steroide enthalten, deren Identität dem Käufer unbekannt bleibt.
Warum sind Designer-Steroide schwer nachweisbar?
Designer-Steroide sind schwer nachweisbar, weil ihre chemische Struktur in den Stamm-Datenbanken der Doping-Labore zunächst nicht hinterlegt ist. Erst nachdem ein neuer Wirkstoff identifiziert wurde, kann ein gezielter massenspektrometrischer Test entwickelt werden — was Wochen bis Monate dauert.
Das Standard-Doping-Screening nutzt Gas- oder Flüssigchromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC-MS oder LC-MS/MS) mit einer Datenbank bekannter Substanz-Spektren. Bei einer komplett neuen Substanz fehlen die Referenz-Spektren, und ein Standard-Screen liefert keine Treffer. Die Identifikation erfordert eine Synthese authentischer Referenzstandards und deren spektroskopische Charakterisierung — erst danach kann eine zielgerichtete Detektionsmethode etabliert werden.
Der THG-Fall illustriert diesen Prozess paradigmatisch. Trevor Graham übergab eine Spritze mit Substanzresten an USADA, Don Catlins Labor an der UCLA extrahierte und analysierte den Stoff, und innerhalb weniger Wochen war eine GC-MS-basierte Detektionsmethode etabliert. 550 retrospektive Proben aus dem WADA-Archiv wurden nachträglich getestet — 20 positive Befunde führten Jahre später zu Athleten-Sperren. Heute setzt die WADA auf drei zentrale Gegenstrategien: die zehnjährige Aufbewahrung von Urinproben für retrospektive Analysen, den Athleten-Biological Passport mit longitudinalen Hormon-Profilen, der Anomalien auch ohne spezifischen Substanznachweis aufdeckt, und die hochauflösende Massenspektrometrie (HRMS), die Suche nach unbekannten Substanzen ermöglicht. Eine Übersicht zu den Nachweiszeiten verschiedener Steroide findet sich auf der entsprechenden Tabellenseite.
Wie ist die rechtliche Lage in Deutschland?
Designer-Steroide sind in Deutschland nach § 6a Arzneimittelgesetz und dem Anti-Doping-Gesetz strafbar — sowohl Handel als auch Besitz in nicht geringer Menge. Pro-Hormone werden sportrechtlich als anabole Substanzen behandelt. Strafen reichen bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe.
Vier Regelwerke prägen die deutsche Rechtslage. Der zentrale Paragraph ist § 6a AMG (Arzneimittelgesetz), der das Inverkehrbringen, Verschreiben und Anwenden von Anabolika zu Dopingzwecken untersagt — mit einem Strafmaß von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) ergänzt diese Regelung durch den Selbstdoping-Tatbestand für Wettkampfsportler. Die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) regelt die Rezeptpflicht klassischer Testosteron-Präparate, während das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) einzelne Substanzen in den Anlagen I oder II führen kann — bei Designer-Substanzen jedoch häufig nicht der Fall, sodass das AMG die zentrale Regelungs-Norm bleibt.
International gilt die WADA Prohibited List der World Anti-Doping Agency: Alle anabolen Steroide einschließlich Designer-Substanzen sind unter Klasse S1.1 ganzjährig im Wettkampfsport verboten. Praktisch bedeutet die deutsche Rechtslage: Der Import aus dem Ausland wird vom Zoll beschlagnahmt, das Inverkehrbringen oder der gewerbsmäßige Verkauf führt zu schweren Strafverfahren, und der Besitz in nicht geringer Menge gilt bereits als Dealer-Tatbestand. Auch der reine Konsum durch Privatpersonen außerhalb des Sports ist rechtlich heikel, weil die Beweislast bei kommerziell relevanten Mengen schnell zu Lasten des Besitzers ausschlägt. Die Pharmakovigilanz-Aufsicht über zugelassene Wirkstoffe liegt beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) — Designer-Substanzen entziehen sich dieser Aufsicht definitionsgemäß.
Designer-Steroide vs. Pro-Hormone
Pro-Hormone sind chemische Vorstufen, die im Körper zu aktiven Steroiden umgewandelt werden — Designer-Steroide sind bereits aktive synthetische Verbindungen ohne arzneimittelrechtliche Zulassung. Beide Klassen überlappen sich teilweise; viele Pro-Hormon-Produkte enthielten in den 2000er-Jahren tatsächlich Designer-Steroide.
| Aspekt | Pro-Hormon | Designer-Steroid |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | inaktiv → aktiv im Körper umgewandelt | bereits aktiv |
| Beispiele | Androstendion, DHEA, 1-DHEA | THG, Methasteron, Madol |
| Vermarktung | als „Nahrungsergänzungsmittel“ | Schwarzmarkt oder als Pro-Hormon getarnt |
| Rechtslage USA | DSHEA 1994 → ASCA 2004 | ASCA 2004 → DASCA 2014 |
| Rechtslage DE | § 6a AMG | § 6a AMG |
| Konversionseffizienz | 5–25 % zu Aktivform | nicht zutreffend |
| Hepatotoxizität | mittel | hoch bis extrem |
Die historische Entwicklung verlief in zwei Wellen. Die erste Welle zwischen 1996 und 2004 war die Pro-Hormon-Ära in den USA — Substanzen wie Androstendion und 1-Androstendion wurden frei verkauft. Der Anabolic Steroid Control Act von 2004 beendete diese Phase juristisch, schuf aber eine Marktlücke, die durch Designer-Steroide gefüllt wurde. Der DASCA von 2014 schloss diese Lücke teilweise, indem auch chemisch modifizierte Analoga unter die Schedule-III-Klassifikation gestellt wurden. Auf dem deutschen Markt waren beide Wellen weniger sichtbar, weil das deutsche Arzneimittelrecht von Anfang an schärfer reguliert war als das US-amerikanische Supplement-Recht — der § 6a AMG erfasst sowohl Pro-Hormone als auch Designer-Steroide ohne Differenzierung.
Häufig gestellte Fragen zu Designer-Steroiden
Sind Designer-Steroide legal?
In Deutschland nein. § 6a Arzneimittelgesetz und das Anti-Doping-Gesetz stellen sowohl Handel als auch Besitz in nicht geringer Menge unter Strafe — bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. In den USA wurden Designer-Steroide durch den Anabolic Steroid Control Act von 2004 und den Designer Anabolic Steroid Control Act von 2014 unter Bundeskontrolle gestellt. Sportrechtlich gelten alle Designer-Steroide nach WADA-Klasse S1.1 als ganzjährig verboten.
Was war der BALCO-Skandal?
Der BALCO-Skandal war eine Doping-Affäre der Jahre 2003 bis 2005 um die kalifornische Bay Area Laboratory Co-operative, die unter Victor Conte das Designer-Steroid Tetrahydrogestrinon (THG, „The Clear“) an Eliteathleten verteilte. Don Catlin vom UCLA Olympic Analytical Laboratory entwickelte 2003 nach einem anonymen Tipp die Detektionsmethode. Marion Jones, Tim Montgomery, Kelli White, Dwain Chambers und weitere Athleten wurden gesperrt; Conte erhielt vier Monate Haft.
Sind Pro-Hormone Designer-Steroide?
Pro-Hormone und Designer-Steroide überlappen sich teilweise, sind aber nicht identisch. Pro-Hormone sind chemische Vorstufen, die im Körper zu aktiven Steroiden umgewandelt werden — etwa Androstendion oder 1-DHEA. Designer-Steroide sind bereits aktive synthetische Verbindungen ohne Zulassung. Viele in den 2000er-Jahren als „Pro-Hormone“ vermarktete Produkte enthielten allerdings tatsächlich 17α-alkylierte Designer-Steroide.
Warum sind Designer-Steroide gefährlich?
Designer-Steroide sind besonders riskant aufgrund fehlender pharmakologischer Studien, häufiger 17α-Alkylierung mit ausgeprägter Hepatotoxizität, kontaminierter Untergrund-Lab-Produkte mit Verunreinigungen und fehlender Langzeitsicherheitsdaten. Methasteron (Superdrol) verursachte in der DILIN-Auswertung von 44 jungen Männern schwere und protrahierte Cholestase mit teils notwendiger Lebertransplantations-Evaluation.
Wie werden Designer-Steroide nachgewiesen?
Designer-Steroide werden durch Gas- oder Flüssigchromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC-MS oder LC-MS/MS) nachgewiesen. Da neue Substanzen zunächst nicht in den Datenbanken der Doping-Labore hinterlegt sind, ist eine Synthese authentischer Referenzstandards erforderlich. Die WADA bewahrt Urinproben zehn Jahre lang auf, um neuartige Substanzen retrospektiv nachweisen zu können.
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Anabole Steroide sind in Deutschland nach dem Arzneimittelgesetz (§ 6a AMG) und dem Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG) rezeptpflichtig beziehungsweise in ihrem Handel und Besitz in nicht geringer Menge strafbar. Designer-Steroide sind ohne arzneimittelrechtliche Zulassung im Verkehr und dürfen nach deutschem Recht weder beschafft noch angewendet werden. Bei Verdacht auf Designer-Steroid-induzierte Leberschädigung oder andere gesundheitliche Komplikationen ist eine sofortige hepatologische oder internistische Abklärung erforderlich. Die Autoren übernehmen keine Haftung für gesundheitliche Schäden durch unsachgemäße Anwendung.